Auszug des Interviews «Everything is everything, oder wie kann ich malen, um endlich zu sehen, was ich immer

  schon sehen wollte?»  mit Ursula Maria Probst, 2013 («light shapes the shadow» Verlag für moderne Nürnberg, 2013).

 

 

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  Du beziehst dich in deiner Arbeit Lacan´s secret picture auf Courbets L’Origine du monde und dessen
  Geschichte. In welchem Zusammenhang steht es zu deiner Malerei bzw. zu dem Bild aus der Serie everything
  is everything?
  Ja, die umfassende Geschichte der verschiedenen Besitzer, die lange Reise, die L’Origine du monde hinter sich
  gebracht hat, und die immer noch anhaltende gesellschaftspolitische Sprengkraft dieser Arbeit sind eine ideale
  Ausgangsposition für Überlegungen aller Art.
  Als ich erfuhr, dass Jacques Lacan einer unter den zahlreichen Besitzern dieses Werkes war und dass selbst
  er – als psychoanalytisch gebildeter Mensch – es nicht fertig brachte, das Gemälde in seinem Landhaus an einen
  für alle zugänglichen Ort zu hängen, sondern seinen Schwager bat, ihm eine surreale Landschaft zu malen,
  um das Gemälde Courbets dahinter zu verstecken, habe ich gewusst, dass ich dieser Form der Maskerade ein
  Ständchen bringen will.

  Konkret wurde aus diesem Ständchen die Arbeit Lacan´s secret picture, die Teil der Serie „everything is everything“
  ist. Das was in L’Origine du monde so sehr die Gemüter erhitzt(e), findet sich in Lacan´s secret picture bei
  genauerer Betrachtung wieder.
   Deine Wahl fällt dabei auf einen alltäglichen Gegenstand.
  
Die ganze Serie bezieht sich formal auf die Möglichkeiten, die mir ein Plastiksackerl vom Nachmarkt als Modell
  bot. Nahezu alles lässt sich aus diesem Plastiksackerl formen, weil das Material weich und doch kompakt genug
  ist, um in den unterschiedlichen Formen zu bleiben. Sicherlich waren es auch die transparenten Bereiche dieses
  speziellen Modells, die mich sofort gebannt haben. Es hat mich inhaltlich gereizt, einen möglichst unbedeutenden
  Gegenstand in die vorhin schon beschriebene dramatische Lichtstimmung einer Claire-Obscur-Technik zu
  setzen, die vormals nur König_innen, Held_innen, und Heiligen vorbehalten war.

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